Wie du einen guten von einem schlechten Power BI Entwickler erkennst
Steffen Weiler - 13.01.2026 Power BI wirkt heute zugänglicher denn je: Mit KI-Tools lassen sich in kurzer Zeit Reports, Measures und sogar ganze Datenmodelle „zusammenbauen“. Genau dadurch steigt jedoch das Risiko, Kompetenz mit Oberfläche zu verwechseln. Dieser Artikel verdichtet zehn praxisnahe Indikatoren, mit denen Entscheider, Controller und BI-Verantwortliche belastbar beurteilen können, ob ein Power-BI-Entwickler wirklich versteht, was er tut – oder nur Ergebnisse reproduziert.Die neue Realität: „Sieht gut aus“ ist kein Qualitätsnachweis mehr
Noch vor wenigen Jahren war ein sauberes Dashboard ein relativ starkes Signal. Wer überzeugende Visuals liefern konnte, galt schnell als „Power BI Entwickler“. Inzwischen ist diese Heuristik unsicher geworden.
Zehn Indikatoren für echte Power-BI-Kompetenz
1) Kann der Entwickler sein Datenmodell erklären – in fünf Minuten?
Ein guter Entwickler kann die Struktur seines Modells klar begründen:- Was sind Faktentabellen, was Dimensionen?
- Warum sind Beziehungen genau so gewählt?
- Wo werden Berechnungen umgesetzt – in Power Query, im Modell oder in DAX?
- Welche fachlichen Annahmen stecken dahinter?

2) Kann er komplexe Anforderungen in DAX umsetzen – jenseits von Standard-Patterns?
KI kann Year-over-Year, Moving Averages oder einfache KPI-Logiken häufig gut. Entscheidend wird es dort, wo Businesslogik nicht generisch ist: gewichtete Segmentierungen, dynamische Schwellwerte, kombinierte Bewertungsmodelle, kundenspezifische Ausnahmen. Echte Kompetenz zeigt sich in der Fähigkeit, Anforderungen sauber in Berechnungslogik zu übersetzen:- logische Struktur (Zwischenschritte, Variablen, klare Semantik),
- Performance-Bewusstsein (Storage Engine vs. Formula Engine, Reduktion unnötiger Iterationen),
- Debug-Fähigkeit (Methodik statt „Try & Hope“).
3) Dokumentiert und strukturiert er seine Arbeit – so, dass sie wartbar bleibt?
BI ist kein Einmalprojekt. Modelle werden erweitert, übergeben, geprüft, neu priorisiert. Dokumentation ist daher nicht „nice to have“, sondern Risikomanagement. Gute Entwickler:- kommentieren komplexe Measures,
- verwenden konsistente Benennungen,
- nutzen Ordner-/Display-Folder-Strukturen,
- dokumentieren Annahmen und Definitionen,
- machen ihre Logik für Dritte nachvollziehbar.
4) Versteht er den Business-Kontext – und kann er Anforderungen challengen?
Power BI ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, ob der Entwickler in Entscheidungen denkt – nicht in Visuals. Gute Entwickler fragen:- „Welche Entscheidung soll damit getroffen werden?“
- „Welche Nutzergruppe braucht das – und wofür?“
- „Welche KPI ist wirklich führend – und welche ist nur Dekoration?“
- „Gibt es eine bessere, fokussiertere Darstellung?“
5) Wie reagiert er auf Feedback, Fehler und Korrekturen?
Kompetenz ist nicht nur Wissen – sondern Haltung. In einem schnelllebigen Ökosystem wie Power BI kann niemand alles wissen. Gute Entwickler sind lernfähig, reflektiert und offen für Alternativen. Achte darauf, ob jemand:- defensiv wird („funktioniert doch“),
- Schuld verschiebt („User müssen besser filtern“),
- oder neugierig bleibt („zeig mir den Case, lass uns verbessern“).

6) Kann er zwischen Lösungsansätzen abwägen – und Trade-offs begründen?
Für nahezu jedes Problem gibt es mehrere Wege.Kompetenz zeigt sich darin, Alternativen zu kennen und bewusst zu entscheiden:- Welche Time-Intelligence-Funktion passt zu welcher Datumstabelle?
- Wann Calculation Groups, wann klassische Measures?
- Wann Modellierung, wann DAX?
- Wann Import, wann DirectQuery, wann Composite?
________________________
8) Hat er wiederverwendbare Komponenten – oder startet er jedes Mal bei null?
Professionelle Teams bauen nicht jedes Projekt neu. Sie entwickeln Bausteine: Standard-Measure-Libraries, Datumstabellen, Patterns, Templates, geprüfte Visual-Konfigurationen. Das reduziert Aufwand, steigert Qualität und sorgt für Konsistenz. Besonders sichtbar ist das bei mehreren Projekten: Haben KPIs einheitliche Namen? Wiederholen sich Strukturprinzipien? Gibt es dokumentierte Standards? Schlechte Entwickler arbeiten „aus dem Gedächtnis“ und kopieren situativ aus alten Reports – ohne System. Das skaliert schlecht und produziert Inkonsistenzen. Prüffrage:„Welche Standards bringst du mit, damit Projekte schneller und stabiler werden?“ ________________________9) Erkennt er Datenqualitätsprobleme früh – und kommuniziert sie aktiv?
Ein starker Entwickler schaut kritisch auf Daten, bevor er baut:- Dubletten, fehlende Werte, ungültige Schlüssel,
- Inkonsistenzen in Kategorien,
- unerwartete Granularitäten,
- referenzielle Brüche zwischen Tabellen.

10) Kennt er die Grenzen von Power BI – und schlägt Alternativen vor?
Power BI ist stark – aber nicht für jeden Use Case ideal. Gute Entwickler erkennen, wann Workarounds langfristig teurer sind als eine passende Alternative, z. B. bei komplexen Planungsszenarien mit Writeback, hohen Interaktionsanforderungen oder spezialisierten Funktionen. Schlechte Entwickler versuchen, alles in Power BI zu erzwingen – weil es „geht“. Das Ergebnis ist häufig ein wartungsintensives Konstrukt, das langfristig mehr kostet als es nutzt. Prüffrage:„Wann würdest du Power BI bewusst nicht einsetzen – und was würdest du stattdessen empfehlen?“Was du aus den zehn Indikatoren ableiten solltest
Nicht jeder Entwickler muss jede Dimension in Perfektion beherrschen. Entscheidend ist das Gesamtbild: Denkweise, Methodik, Kommunikationsfähigkeit und Verständnis für Zusammenhänge. Wenn du kritische BI-Projekte besetzt, ist „Dashboard bauen“ die Eintrittskarte – nicht das Qualitätsmerkmal. Der echte Unterschied wird sichtbar, sobald:- etwas nicht funktioniert,
- Anforderungen nicht in Standard-Patterns passen,
- Debugging notwendig wird,
- Datenqualität oder Governance das Modell herausfordert.
Takeaway
Im KI-Zeitalter ist Output billig geworden – Verständnis bleibt selten. Wer Power BI nur „zusammenklickt“, wirkt kompetent bis zur ersten Abweichung vom Standard.Wer die Mechanik dahinter beherrscht, liefert robuste Systeme, die Entscheidungen tragen – auch wenn Daten chaotisch sind und Anforderungen sich ändern. Die beste Interview-Frage ist deshalb nicht: „Welche Reports hast du gebaut?“ Sondern: „Erklär mir, warum du sie so gebaut hast – und was du anders machen würdest, wenn sich der Kontext ändert.“ Dieser Artikel basiert auf über zehn Jahren Erfahrung in Business Intelligence und Data Analytics. Für weitere BI-Insights und praktische Tipps folge mir auf LinkedIn oder höre den Daten zu Taten Podcast auf Spotify. Im Podcast findest du die besten Experten rund um das Thema Power BI und Datenanalysen. 👉 Hier kommst du zur Folge: Folge 17 - Wie du einen guten von einem schlechten Power BI Entwickler unterscheidestDu möchtest prüfen, wie fortschrittlich dein Unternehmen im Bereich Datenanalyse ist?
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