Microsoft Fabric: Brauche ich das oder reicht Power BI?
Der Geschäftsführer kommt vom Partner-Event zurück und sagt: „Wir müssen auf Fabric.“ Warum das fast immer die falsche Frage ist und welche drei Auslöser eine Fabric-Kapazität wirklich rechtfertigen.
31.000 Unternehmen nutzen Microsoft Fabric. Das hat Microsoft mit den Quartalszahlen im Januar 2026 gemeldet, dazu über zwei Milliarden Dollar Umsatz und ein Plus von 60 Prozent zum Vorjahr. Ein guter Teil dieser Unternehmen bezahlt für etwas, das er gar nicht braucht.
Stell dir Frau Berger vor. Sie ist Controllerin bei einem Maschinenbauer mit 180 Mitarbeitenden an drei Standorten. Power BI läuft, 25 Personen arbeiten damit, die Geschäftsführung eingeschlossen. Dann kommt der Geschäftsführer von einer Partnerveranstaltung zurück und sagt: „Wir müssen auf Fabric.“ Frau Berger soll das jetzt bewerten.
Datenplattform oder bessere Berichte?
„Brauchen wir Fabric?“ klingt nach einer Produktentscheidung. Tatsächlich ist es eine Architekturentscheidung. Die richtige Frage lautet: Brauchen wir eine Datenplattform, oder brauchen wir bessere Berichte?
Fabric ist eine Datenplattform. Dazu gehören OneLake, Lakehouse, Warehouse, Data Factory, Spark Notebooks und Real-Time Intelligence. Fabric sammelt Daten, bereitet sie auf, historisiert sie und stellt sie bereit: für Berichte, aber auch für KI, Agents und andere Systeme. Vieles davon ging früher auch mit einem SQL Server im eigenen Haus.
Power BI ist das Berichtswerkzeug: Datenmodell, DAX, Visualisierung und Verteilung. Seit rund zwei Jahren ist Power BI ein Teil von Fabric, nicht dessen Vorgänger. Ein einfaches Bild hilft: Fabric ist das Haus, Power BI ein Zimmer darin.
Meistens ist es ein Berichtsproblem
In fast acht von zehn Gesprächen über Fabric liegt eigentlich ein Berichtsproblem vor. Die Symptome sind immer ähnlich. Das Datenmodell ist über Jahre gewachsen und wurde nie aufgeräumt. Es gibt drei Versionen von Umsatz. Die Aktualisierung dauert 40 Minuten und ist nicht fertig, wenn das Weekly beginnt. Und niemand weiß genau, welcher Bericht stimmt.
Nichts davon verschwindet mit einer neuen Plattform. Die Reihenfolge lautet deshalb: erst aufräumen, dann über das Werkzeug entscheiden. Auch „Wir haben viele Daten“ ist kein Grund für Fabric. Ein Interessent sprach einmal von Big Data. Es waren 20.000 Zeilen.
Fabric löst kein Berichtsproblem. Wer mit einem unaufgeräumten Modell umzieht, nimmt die Unordnung nur mit in ein teureres Haus.
Die F2-Falle
Fabric wird über Kapazitäten abgerechnet, sogenannte F-SKUs. Die kleinste ist die F2. In Westeuropa kostet sie im Dauerbetrieb nach Pay-as-you-go etwa 250 bis 300 Euro im Monat, reserviert etwa 170 Euro.
Der Haken: Eine F2 ersetzt keine einzige Power-BI-Lizenz. Dass eine Kapazität Lizenzen einspart, rechnet sich erst ab etwa 200 Nutzern. Für Frau Berger heißt das: Die Kapazität läuft 24 Stunden am Tag, die 25 Pro-Lizenzen laufen weiter. Sie zahlt mehr und spart nichts. Dazu kommt ein neues Admin-Thema, nämlich Auslastung überwachen und Pipelines betreuen.
Das ist kein Argument gegen Fabric. Ich bin selbst ein großer Fan davon. Aber die Kapazität ist der Einstieg in eine Datenplattform, kein Ersatz für Lizenzen.
Rechne die Lizenzen durch, bevor es jemand anderes tut: Anzahl Nutzer mal rund 12,10 Euro für Power BI Pro. Daneben stellst du die Zusatzkosten einer F2 oder F4. Diese Gegenüberstellung gehört auf den Tisch, bevor irgendjemand bestellt.
Die drei echten Auslöser für Fabric
Es gibt Situationen, in denen Fabric die richtige Antwort ist. In der Praxis sind es drei.
1. Power Query ist zur Blackbox geworden
40 Abfragen mit je 15 Schritten, geschrieben von jemandem, der nicht mehr im Unternehmen ist. Manche Abfragen haben 60 Schritte und mehr, die Aktualisierung dauert ewig, und niemand traut sich noch heran. Dann gehört die Aufbereitung in Lakehouse und Pipelines: versioniert, getestet und wiederverwendbar. Der Grund ist die Komplexität, nicht das Datenvolumen.
2. Mehr als Power BI soll auf die Daten zugreifen
Copilot, KI-Agents oder andere Systeme, die bereinigte Stammdaten zurückbekommen. Dazu kommen Writeback und Historisierung. Wer mit Daten Geschäftsprozesse steuern will, braucht eine Datenschicht außerhalb von Power BI. Fabric ist dafür eine leichtgewichtige Möglichkeit.
3. Es läuft noch eine alte Premium-Kapazität
Power BI Premium mit P-SKU gibt es seit Juli 2024 für Neukunden nicht mehr. Bestandskunden ohne Enterprise Agreement wechseln zum Vertragsende auf eine Fabric-Kapazität. Dann stellt sich nicht mehr die Frage nach dem Ob, sondern nur noch nach der richtigen Größe.
Trifft keiner der drei Auslöser zu, ist die Antwort klar: Power BI Pro und ein aufgeräumtes Datenmodell. Ohne schlechtes Gewissen.
Fabric als Richtung, nicht als Bestellung
Strategisch führt trotzdem kein Weg an Fabric vorbei. Copilot und Fabric IQ, also die Schicht, über die KI und Agents Geschäftsfragen auf gegovernten Daten beantworten, bauen auf Fabric auf. Wer mit seinen Daten reden will, braucht eine zentrale Datenschicht. Meine Überzeugung: In spätestens sechs Monaten zieht niemand mehr Reports per Klick zusammen. Warum dabei das Semantic Model entscheidet, beschreibt der Beitrag Brauchen wir Power BI in Zeiten von KI noch?
Zwei Ankündigungen von der FabCon in Barcelona Ende September verschieben dabei den Zeitpunkt der Entscheidung.
Apps in Power BI. Aus Berichten werden echte Webanwendungen mit Eingabefeldern, Freigabe-Buttons und eigener Datenbank, aufgesetzt auf das Semantic Model. Sie sollen in den nächsten Wochen als Preview für Pro und Premium Per User kommen, ohne Aufpreis und mit einer Fabric-Datenbank von bis zu 1 GB pro App. Eine Kapazität brauchst du dafür nicht.
Die F0-Kapazität. Sie wird nach tatsächlicher Nutzung abgerechnet. Der genaue Preis steht noch nicht fest. Die Entscheidung über die Kapazität wandert damit vom Projektstart ans Projektende.
Was das für Frau Berger heißt
Der Druck, heute zu bestellen, sinkt. Microsoft schiebt Fabric-Funktionen in die Pro-Lizenz, begrenzt über Ressourcen. Frau Berger kann ihr Unternehmen strategisch auf Fabric ausrichten, ohne heute etwas zu kaufen. Die Ausrichtung passiert im Datenmodell. Die Kapazität kommt, wenn einer der drei Auslöser greift.
Drei Schritte für diese Woche
-
01
Den Drei-Auslöser-Check auf eine Seite bringen
Ist Power Query eine Blackbox? Greift in den nächsten zwölf Monaten etwas anderes als Power BI auf die Daten zu? Läuft noch eine alte Premium-Kapazität? Jeweils ja oder nein, und die Seite der Geschäftsführung oder dem Einkauf hinlegen.
-
02
Lizenzen durchrechnen
Nutzer mal rund 12,10 Euro für Pro, daneben die Zusatzkosten einer F2 oder F4. Mit dieser Zahl führst du das Gespräch, nicht mit einer Folie vom Partner-Event.
-
03
Das Datenmodell aufräumen, als stünde morgen der Umzug an
Das kostet keine Kapazität und verbessert das Reporting sofort. Vier Fragen helfen dabei.
- Wie viele Umsatz-Measures gibt es im Modell?
- Sind alle Measures eindeutig benannt?
- Sind die Dimensionen klar voneinander abgegrenzt?
- Ist für jede Tabelle dokumentiert, aus welcher Quelle sie kommt?
Fazit
Bei den meisten Mittelständlern geht es nicht um eine Datenplattform, sondern um bessere Berichte und bessere Prozesse. Fabric ist die richtige Richtung, und du erreichst sie durch ein aufgeräumtes Datenmodell, nicht durch eine Bestellung. Die Kapazität kaufst du, wenn einer der drei Auslöser greift.
Wie Power BI und KI in der Praxis zusammenspielen, zeigt das KI & Power BI Mentoring: online, mit Live-Fragerunden. Das Thema dieses Beitrags gibt es außerdem als Video auf YouTube.
Fabric ist das Haus, Power BI ein Zimmer darin. Bevor du umziehst, räum das Zimmer auf.
Eine Fabric-Kapazität ist der Einstieg in eine Datenplattform, kein Ersatz für Lizenzen.